Tanzen bedeutet frei zu sein

Portrait eines herausragenden Tanzpaares

Ein Turnier wie kein anderes in Deutschland ist die jährlich stattfindende GOC in Stuttgart. In diesem Jahr waren Pawel und Anita Kowalczyk eines der teilnehmenden Paare unseres Vereins. Das überaus sympathische Ehepaar aus Freudenstadt erzielte ein sensationelles Ergebnis, ein Ergebnis das einzigartig in unserer Vereinsgeschichte ist und mit dem auch nur sehr wenige Vereine bundesweit aufwarten können.

 

Alles begann in Polen im Teenageralter als Pawel Anita zum ersten Mal sah und zwar, wie konnte es anders auch sein, tanzenderweise. Faszination und Liebe machten aus ihnen ein Ehepaar und das Leben mit Beruf und Kindern nahm seinen Lauf. Die Liebe zum gemeinsamen Tanzen entdeckten die beiden erst bei ihrem ersten gemeinsamen Tanzkurs in 2012 in der Tanzschule Hermann in Freudenstadt. Schnell entfachte sich in ihnen die Leidenschaft für diesen Sport und begannen ihn in 2013 als Leistungssport ernsthaft zu betreiben. Im November 2013 trafen sie zum ersten Mal auf ihren Trainer Egidijus Ruskys mit dem sie seitdem mehrmals wöchentlich fokussiert arbeiten. Ob im Gruppentraining des Vereins oder in Privatstunden, Anita und Pawel sind überzeugt davon, daß sich die beiden Trainingsformen perfekt ergänzen und absolut notwendig sind, um sich tänzerisch optimal entfalten zu können. Der Vorteil und die absoluten Notwendigkeit einer Privatstunde liegt darin, daß sich der Trainer zu 100% auf die Bewegungen und Abläufe des Paares konzentrieren kann. Ohne dieses Feedback ist es nahezu unmöglich seine Leistung zu optimieren. Tanzen auf hohem Niveau erfordert ein intensives Training. Für Anita und Pawel bedeutet dies 5-6mal pro Woche rund 2 Stunden zu tanzen. Neben dem Tanzsport findet Anita zu ihrem Job als Augenärztin ihre Balance im Yoga.

 

Einen Lieblingstanz haben die beiden Standard- und Lateintänzer jedoch nicht. Anfangs stellte der Langsame Walzer eine große Herausforderung dar, weswegen sie diesen ganz besonders intensiv übten. Mittlerweile tanzen sie ihn voller Eleganz und mit gelebter Leidenschaft.  

 

Von ihrem fulminanten Start bei den Landesmeisterschaften in 2015 bei der sie gleich die Regularien ausreizten und von der D bis in die B-Klasse an einem Tag aufstiegen hat sich in ihrer Art zu trainieren einiges geändert. So lernten sie wie wichtig es ist mehr miteinander zu kommunizieren, mehr auf die Signale des eigenen, aber auch auf die des Körpers des Partners zu achten. Deutlich wird dadurch bei einzelnen, aber auch bei Bruchteilen von Figuren immer mehr spürbar wo etwas richtig getanzt wurde und wo es noch gilt zu verbessern. Das Feedback des Partners ist hier, auch wenn es manchmal schwer fällt wie sie zugeben, neben dem des Trainers, von enormer Wichtigkeit um Vorwärts zu kommen. Beide genießen es sehr, daß sie durch das Tanzen intensiv Zeit mit ihrem Partner verbringen können, da spielt auch so manche Kabbelei beim Training keine große Rolle.

 

Der Reiz Turnier zu tanzen liegt für beide darin ihre tänzerische Leistung in einem schönen Ambiente präsentieren zu dürfen. Die Anerkennung für die harte Arbeit einzuholen und auch den Besten der Besten beim Tanzen zu zusehen um sich neuen Input für die eigene Performance zu holen. Nach dem Turnier ist grundsätzlich vor dem Turnier, sind sich beide einig. Eine persönliche Grenze an gemeldeten Turnieren nicht anzutreten haben beide nicht, so tanzte Anita bereits mit hohem Fieber und sogar mit einem gebrochenen Fuß.

 

Von all den getanzten Turnieren hebt sich ihr jüngster, bahnbrechender Erfolg bei der GOC Sen II A ab. Eine große Ehre sei es gewesen sich mit den besten der Welt zu messen und von ehemaligen Weltmeistern gewertet zu werden. Runde um Runde  stellten sie ihr Können vor den Augen nationaler und internationaler Athleten und Zuschauer unter Beweis. Ausdrucksstark, Eleganz mit einem Hauch von Koketterie beschreibt wohl am besten ihre ganz persönliche Art und Weise ihr tänzerisches Können darzubieten. Bis zum Schluß war ihnen nicht bewußt, was für eine überragende und sensationelle Leistung sie auf das Stuttgarter Parkett gelegt haben. Völlig überraschend kam für sie die Platzierung, die ihnen nach wie vor die Worte raubt um ihre Emotionen zu beschreiben wie es sich anfühlt den zweiten Platz von insgesamt 75 Teilnehmern in solch einem renommierten Turnier für sich zu behaupten. Eine grandiose Belohnung für so viel Training! Einzigartig in unserer Vereinsgeschichte ist dieser Erfolg, der, wie das Paar betont, auch dem Trainer Egidijus Ruskys zugeschrieben werden kann. Die Standardtänzer des Vereins sind sich einig hier einen der besten Trainer der Welt vor sich zu haben.

 

Als Ziel für die nächste GOC haben sie beim WDSF Sen I die 48er Runde ins Auge gefasst. Als Powerteam das an einem Strang zieht ein durchaus realisierbares Ziel auf das sie wie gewohnt diszipliniert hinarbeiten werden. Das Tanzen bereitet ihnen so viel Freude, daß an einen Wechsel der Freizeitbeschäftigung gar nicht zu denken ist. Sie hoffen, das schönste aller Hobbies noch lange beibehalten zu können und noch viele einzigartige Erlebnisse durch dieses geschenkt zu bekommen.

 

Auf meine Frage was das wichtigste für einen Tänzer neben seinem Auftritt auf dem Parkett ist, sagten sie: „Das wichtigste für einen Tänzer ist einen Trainer zu haben der an ihn glaubt. Wir haben so einen Trainer gefunden. Einen Trainer, auf den wir uns voll verlassen können und dem wir vertrauen.“

 

Anita und Pawel bei ihrem Triumph auf der GOC 2016